Wer so wie ich in seiner Ausildungsanstalt dazu gezwungen wurde, klassische Gedichte aus Schillers und Göthes Feder aufzusagen, der sollte sich meinen derzeitigen youtube-favorite zu Gemüte führen. Grandios gebastelt, gekonnt rezitiert - Lukas Resetarits eben.
May 13, 2008
May 11, 2008
Mutterstolz
Sohn, ich bin stolz auf dich,
für alles, was du nicht warst,
für alles, was du nicht bist.
Denn du bist nichts,
was ich verstehen könnte,
was ich begreifen könnte,
bist eine Idee, die mir entfällt.
Denn du bist nicht
so wie ich sein begreifen kann
In meiner bodenlosen Beschränktheit
als Lebende.
Der Stolz dann,
den ich als Mutter einer unverstandenen Idee
haben kann,
ist der einer Unwissenden,
die verzweifelt glauben muss,
dass es dir unseiendem Sohn
gelungen ist,
die Beschränktheit zu überwinden.
May 9, 2008
Leiden forever!
Früher oder später im Laufe eines Menschenlebens stellt sich wohl jeder die Frage: Warum gibt es soviele Leiden auf dieser Welt? Ist dies menschliche Veranlagung (für die Theisten unter uns: gottgegeben), Teil unserer Natur? Welche Funktion haben Leiden und wer hat sie erfunden? Faktum ist jedefalls, dass dem deutschen Wort ‚Leiden’ als Sammelbegriff für die Ängste, Traumata und Krankheiten der Menschen die negative Konnotation des Schrecklichen, des Gegenteils von ‚Heil’ anhängt.

Holland hat andere Sorgen. Leiden ist für Holländer das, was auf diesen Bildern zu sehen ist: Windmühlen, Grachten, Gemütlichkeit. Leiden ist mein aktueller Favorit unter den Städten Niederlands. Buckelige Brückenwegchen, Kirchen und Ateliers erinnern sehr an Haarlem oder den Amsterdamer Jordaan. Allerdings ist die Bevölkerung noch jünger und fröhlicher – man sieht es gleich: Eine Studentenstadt der Extraklasse. Nicht ganz so unauthentisch wie Disneyland, aber grade kitschig genug zum Wohlfühlen und Entspannen. Hier sind die rotbraungebrannten Bootsbesitzer nicht ganz so schnell und laut unterwegs wie in Amsterdam, die Grachten sind doch enger und gehen direkt in die saftig grüne Wiese über. Ich lasse mich in den gelben Löwenzahl plumpsen und will hier gar nicht mehr weg.
May 8, 2008
Grinzing, Grün und Graureiher
und das alles unmittelbar in meiner Nachbarschaft! An und für sich ist ja Osdorp weniger als Naturparadies oder Nobelgegend berühmt, sondern eher für seine auf Geröllwiesen entstehende Betonbunker, welche zur funktionalen Beherbergung der Migrationshintergrunds-Massen dienen. Dass sich 2 Bunkerfronten weiter jedoch das reinste Grinzing erschließt - so grün und liab architekturiert ist es da - hätte ich nicht im Traum geahnt. Um es zu glauben fahre man selbst den Sloterweg entlang und erlebe das einzigartige Gefühl, mitten in den wiener Heurigenslams gelandet zu sein. Buschen und Sauftouristen (glücklicherweise) exklusive. Nur Ruhe, Grün und Pflasterstein, sowie herzige Laternderln, die das heimelige Ambiente nachtens in goldenen Schimmer tauchen.
Weiter geht die wilde Fahrt. Der Amsterdamse Bos (Wald) ist eine gute Idee um eine Fährenfahrt mit einem original schrulligem Holländer-Pärchen zu erleben, oder sich gar in einem Segelboot selbst zu ertüchtigen.
Der See ist mindestens 500m lang - gerade die richtige Größe um größenwahnsinnige Kleinbootbesitzer zur Spinnaker-Besegelung aufzufordern. Falls man mit dieser Ausgeburt an Sportlichkeit nicht mithalten kann (die wenigsten Mitteleuropäer können das), so gibt es immer noch die Möglichkeit, andere beim Sporteln zu begutachten. So probiert am Ruderbecken, wo sich die holländischen Mädels von ihrem “Führer” zur Sau machen lassen (zu erkennen am Megaphon, dem wütig-entschlossenen Gesichtsausdruck und den Schlangenlinien, in denen er seinen Schützlingen hinterherradelt), während man sich genüsslich ins Gras legt (hoffentlich nicht beisst).
Nach diesem ganzen Trara kann man sich dann im Unterholz vom Anblick der Graureiher inspiriert in einen Zen-ähnlichen Bewusstseinszustand der völligen Harmonie gleiten lassen. Das rüstet einen spirituell für die Rückkehr in die Betonbunkersiedlung.
May 1, 2008
Koninginnedag 2008… dit is fuckin’ niet normaal!
more fotos on flickr !
Seit meiner Ankunft in den Niederlanden frage ich mich ernsthaft, was die wahre Funktion des hiesigen Königshauses sein könnte. Ist es das nostalgische Archivieren und Zelebrieren verstaubter Machtverhältnisse? Ein Ausdruck patriotischer Selbstbestätigung? Oder gar ein politischer Marketingschmäh zur nationalen Identitätsinszenierung im 21. Jahrhundert?
Viel schlimmer. Allein der Satz ‘lang leve de koningin!’ veranlasst Millionen von Holländern jeglichen Funken verbliebener Menschenwürde tagelang über Bord zu werfen. Zur Feier der honorigen Koningin Wilhelmina am 30. April werden 800 Jahre mühsam erkämpfter Zivilisation mit einem Mal die Grachten hinuntergespült. Zu Wasser und zu Land wälzen sich die in gnadenloses Orange gehüllten Gestalten durch die Stadt. Ohne Gnade, ohne Reue ergibt sich die Masse einem apathischen Verlangen nach barbarischen Spasmen und Urlauten, die sich durch die Überschwemmung mit gigantischen Alkoholmengen und das Werfen greller Federboas in unendliche Euphorisierung steigert.
Die ‘Geburtstagsfeier’ der Monarchin, zu der eine gesamte Nation ausrastet, gestaltet sich in einem 2-tägigen Dauerfeierrausch. Vorgeglüht wird in der ‘Koninginnenacht’, in welcher - jedenfalls in Amsterdam - schon eine Reihe von Freiluftbetäubungsmöglichkeiten, wie musikalische Bedröhnung, ‘Kermis’, Fressbuden und selbstverständlich jede Menge weicher und harter Drogen zur Verfügung gestellt werden.
Und am nächsten Tag gibt es dann kein Zurück mehr. Wer die Stadt nicht schon Tage zuvor geflohen hat, wird in einen erbarmungslosen Strudel der Feierwut gezogen.

In der Nacht zum 1. Mai ist die zierliche Stadt schlussendlich zur überdimensionalen Müllhalde geworden. Die letzten Reste verseuchter Menschlichkeit finden sich zum letzten Abendmahl im Burgerking am Leidseplein ein und werden Teil des Abfalls, in dem sie sich suhlen, vollfressen um sich anschließend ihres Unrates an selber Stelle zu entledigen. Hier endet der glitzernde Traum holländischer Monarchie. Hier erstickt der homo nederlandensis seinen monarchischen Stolz in einem Haufen fettigen Fastfoods und spült ihn anschließend mit dem letzten Rest seines warmen Heineken hinunter. Wie mich 3 Einheimische an diesem Abend lehrten:
Dit is fuckin’ niet normaal!
April 25, 2008
Post #1
Dear visitor!
It is true! The virtual realms have finally been enriched by yet another narcissict attempt to expose and impose a tiny individual’s worldview on whoever might actually read it! Uninhibitedly, enibolas will enlighten her disperse, random web 2.0 audiences by a full load of her humble thoughts, valuable insights and applaudable reflections on the mysteries and miracles of RL!
Zeitgeist- the movie…
This movie addresses the timeless issue of how (religious, political) absolute truth claims turn into mechanisms of human enslavement. Instrumentalizing our fears of the unknown, religious claims are strongly inclined to develop one-dimensional, exclusionary perspectives on what is allegedly ‘right’ or ‘wrong’. As we know, wars are still being waged against those that fit this arbitrarily created category of ‘wrongness’. The movie - though a bit trashy and overly populist at times - is devoted to an historical explanation of this human will to subordination…. subordination to arbitrarily constructed truths that seem to justify our intolerance towards difference and diversity.










