May 13, 2008

Lyrik am Würschtelstand

Filed under: Uncategorized — admin @ 10:21 pm

Wer so wie ich in seiner Ausildungsanstalt dazu gezwungen wurde, klassische Gedichte aus Schillers und Göthes Feder aufzusagen, der sollte sich meinen derzeitigen youtube-favorite zu Gemüte führen. Grandios gebastelt, gekonnt rezitiert - Lukas Resetarits eben.

May 9, 2008

Leiden forever!

Filed under: Uncategorized — admin @ 12:59 am

Früher oder später im Laufe eines Menschenlebens stellt sich wohl jeder die Frage: Warum gibt es soviele Leiden auf dieser Welt? Ist dies menschliche Veranlagung (für die Theisten unter uns: gottgegeben), Teil unserer Natur? Welche Funktion haben Leiden und wer hat sie erfunden? Faktum ist jedefalls, dass dem deutschen Wort ‚Leiden’ als Sammelbegriff für die Ängste, Traumata und Krankheiten der Menschen die negative Konnotation des Schrecklichen, des Gegenteils von ‚Heil’ anhängt.

Windmühle in Leiden

Brücke in Leiden

Leute in Leiden

Holland hat andere Sorgen. Leiden ist für Holländer das, was auf diesen Bildern zu sehen ist:  Windmühlen, Grachten, Gemütlichkeit. Leiden ist mein aktueller Favorit unter den Städten Niederlands. Buckelige Brückenwegchen, Kirchen und Ateliers erinnern sehr an Haarlem oder den Amsterdamer Jordaan. Allerdings ist die Bevölkerung noch jünger und fröhlicher – man sieht es gleich: Eine Studentenstadt der Extraklasse. Nicht ganz so unauthentisch wie Disneyland, aber grade kitschig genug zum Wohlfühlen und Entspannen. Hier sind die rotbraungebrannten Bootsbesitzer nicht ganz so schnell und laut unterwegs wie in Amsterdam, die Grachten sind doch enger und gehen direkt in die saftig grüne Wiese über. Ich lasse mich in den gelben Löwenzahl plumpsen und will hier gar nicht mehr weg.

Chillen in Leiden

May 8, 2008

Grinzing, Grün und Graureiher

Filed under: Uncategorized — admin @ 1:21 am

und das alles unmittelbar in meiner Nachbarschaft! An und für sich ist ja Osdorp weniger als Naturparadies oder Nobelgegend berühmt, sondern eher für seine auf Geröllwiesen entstehende Betonbunker, welche zur funktionalen Beherbergung der Migrationshintergrunds-Massen dienen. Dass sich 2 Bunkerfronten weiter jedoch das reinste Grinzing erschließt - so grün und liab architekturiert ist es da - hätte ich nicht im Traum geahnt. Um es zu glauben fahre man selbst den Sloterweg entlang und erlebe das einzigartige Gefühl, mitten in den wiener Heurigenslams gelandet zu sein. Buschen und Sauftouristen (glücklicherweise) exklusive. Nur Ruhe, Grün und Pflasterstein, sowie herzige Laternderln, die das heimelige Ambiente nachtens in goldenen Schimmer tauchen.

Grinzing in Amsterdam

Weiter geht die wilde Fahrt. Der Amsterdamse Bos (Wald) ist eine gute Idee um eine Fährenfahrt mit einem original schrulligem Holländer-Pärchen zu erleben, oder sich gar in einem Segelboot selbst zu ertüchtigen.

Spinnaker- the Dutch way to sail on a small lake!

Der See ist mindestens 500m lang - gerade die richtige Größe um größenwahnsinnige Kleinbootbesitzer zur Spinnaker-Besegelung aufzufordern. Falls man mit dieser Ausgeburt an Sportlichkeit nicht mithalten kann (die wenigsten Mitteleuropäer können das), so gibt es immer noch die Möglichkeit, andere beim Sporteln zu begutachten. So probiert am Ruderbecken, wo sich die holländischen Mädels von ihrem “Führer” zur Sau machen lassen (zu erkennen am Megaphon, dem wütig-entschlossenen Gesichtsausdruck und den Schlangenlinien, in denen er seinen Schützlingen hinterherradelt), während man sich genüsslich ins Gras legt (hoffentlich nicht beisst).

Nach diesem ganzen Trara kann man sich dann im Unterholz vom Anblick der Graureiher inspiriert in einen Zen-ähnlichen Bewusstseinszustand der völligen Harmonie gleiten lassen. Das rüstet einen spirituell für die Rückkehr in die Betonbunkersiedlung.

Vogel im Amsterdamse Bos

May 1, 2008

Koninginnedag 2008… dit is fuckin’ niet normaal!

Filed under: Uncategorized — admin @ 4:37 pm

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Attraktionen am Dam

Seit meiner Ankunft in den Niederlanden frage ich mich ernsthaft, was die wahre Funktion des hiesigen Königshauses sein könnte. Ist es das nostalgische Archivieren und Zelebrieren verstaubter Machtverhältnisse? Ein Ausdruck patriotischer Selbstbestätigung? Oder gar ein politischer Marketingschmäh zur nationalen Identitätsinszenierung im 21. Jahrhundert?

Viel schlimmer. Allein der Satz ‘lang leve de koningin!’ veranlasst Millionen von Holländern jeglichen Funken verbliebener Menschenwürde tagelang über Bord zu werfen. Zur Feier der honorigen Koningin Wilhelmina am 30. April werden 800 Jahre mühsam erkämpfter Zivilisation mit einem Mal die Grachten hinuntergespült. Zu Wasser und zu Land wälzen sich die in gnadenloses Orange gehüllten Gestalten durch die Stadt. Ohne Gnade, ohne Reue ergibt sich die Masse einem apathischen Verlangen nach barbarischen Spasmen und Urlauten, die sich durch die Überschwemmung mit gigantischen Alkoholmengen und das Werfen greller Federboas in unendliche Euphorisierung steigert.

Boote überfüllt mit holländischen Massen wälzen sich die Grachten hinunter

Die ‘Geburtstagsfeier’ der Monarchin, zu der eine gesamte Nation ausrastet, gestaltet sich in einem 2-tägigen Dauerfeierrausch. Vorgeglüht wird in der ‘Koninginnenacht’, in welcher - jedenfalls in Amsterdam - schon eine Reihe von Freiluftbetäubungsmöglichkeiten, wie musikalische Bedröhnung, ‘Kermis’ und Fressbuden zur Verfügung gestellt werden.

Orangene Holländer tanzen auf Straßenbahn-Häuschen der Tramlinien 1,2 und 5

Und am nächsten Tag gibt es dann kein Zurück mehr. Wer die Stadt nicht schon Tage zuvor geflohen hat, wird in einen erbarmungslosen Strudel der Feierwut gezogen.

Burgerking am Leidseplein: Menschen sitzen und essen im Müll

In der Nacht zum 1. Mai ist die zierliche Stadt schlussendlich zur überdimensionalen Müllhalde geworden. Die letzten Reste verseuchter Menschlichkeit finden sich zum letzten Abendmahl im Burgerking am Leidseplein ein und werden Teil des Abfalls, in dem sie sich suhlen, vollfressen um sich anschließend ihres Unrates an selber Stelle zu entledigen. Hier endet der glitzernde Traum holländischer Monarchie. Hier erstickt der homo nederlandensis seinen monarchischen Stolz in einem Haufen fettigen Fastfoods und spült ihn anschließend mit dem letzten Rest seines warmen Heineken hinunter. Wie mich 3 Einheimische an diesem Abend lehrten:

Dit is fuckin’ niet normaal!


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