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Seit meiner Ankunft in den Niederlanden frage ich mich ernsthaft, was die wahre Funktion des hiesigen Königshauses sein könnte. Ist es das nostalgische Archivieren und Zelebrieren verstaubter Machtverhältnisse? Ein Ausdruck patriotischer Selbstbestätigung? Oder gar ein politischer Marketingschmäh zur nationalen Identitätsinszenierung im 21. Jahrhundert?
Viel schlimmer. Allein der Satz ‘lang leve de koningin!’ veranlasst Millionen von Holländern jeglichen Funken verbliebener Menschenwürde tagelang über Bord zu werfen. Zur Feier der honorigen Koningin Wilhelmina am 30. April werden 800 Jahre mühsam erkämpfter Zivilisation mit einem Mal die Grachten hinuntergespült. Zu Wasser und zu Land wälzen sich die in gnadenloses Orange gehüllten Gestalten durch die Stadt. Ohne Gnade, ohne Reue ergibt sich die Masse einem apathischen Verlangen nach barbarischen Spasmen und Urlauten, die sich durch die Überschwemmung mit gigantischen Alkoholmengen und das Werfen greller Federboas in unendliche Euphorisierung steigert.
Die ‘Geburtstagsfeier’ der Monarchin, zu der eine gesamte Nation ausrastet, gestaltet sich in einem 2-tägigen Dauerfeierrausch. Vorgeglüht wird in der ‘Koninginnenacht’, in welcher - jedenfalls in Amsterdam - schon eine Reihe von Freiluftbetäubungsmöglichkeiten, wie musikalische Bedröhnung, ‘Kermis’ und Fressbuden zur Verfügung gestellt werden.
Und am nächsten Tag gibt es dann kein Zurück mehr. Wer die Stadt nicht schon Tage zuvor geflohen hat, wird in einen erbarmungslosen Strudel der Feierwut gezogen.

In der Nacht zum 1. Mai ist die zierliche Stadt schlussendlich zur überdimensionalen Müllhalde geworden. Die letzten Reste verseuchter Menschlichkeit finden sich zum letzten Abendmahl im Burgerking am Leidseplein ein und werden Teil des Abfalls, in dem sie sich suhlen, vollfressen um sich anschließend ihres Unrates an selber Stelle zu entledigen. Hier endet der glitzernde Traum holländischer Monarchie. Hier erstickt der homo nederlandensis seinen monarchischen Stolz in einem Haufen fettigen Fastfoods und spült ihn anschließend mit dem letzten Rest seines warmen Heineken hinunter. Wie mich 3 Einheimische an diesem Abend lehrten:
Dit is fuckin’ niet normaal!



