Früher oder später im Laufe eines Menschenlebens stellt sich wohl jeder die Frage: Warum gibt es soviele Leiden auf dieser Welt? Ist dies menschliche Veranlagung (für die Theisten unter uns: gottgegeben), Teil unserer Natur? Welche Funktion haben Leiden und wer hat sie erfunden? Faktum ist jedefalls, dass dem deutschen Wort ‚Leiden’ als Sammelbegriff für die Ängste, Traumata und Krankheiten der Menschen die negative Konnotation des Schrecklichen, des Gegenteils von ‚Heil’ anhängt.

Holland hat andere Sorgen. Leiden ist für Holländer das, was auf diesen Bildern zu sehen ist: Windmühlen, Grachten, Gemütlichkeit. Leiden ist mein aktueller Favorit unter den Städten Niederlands. Buckelige Brückenwegchen, Kirchen und Ateliers erinnern sehr an Haarlem oder den Amsterdamer Jordaan. Allerdings ist die Bevölkerung noch jünger und fröhlicher – man sieht es gleich: Eine Studentenstadt der Extraklasse. Nicht ganz so unauthentisch wie Disneyland, aber grade kitschig genug zum Wohlfühlen und Entspannen. Hier sind die rotbraungebrannten Bootsbesitzer nicht ganz so schnell und laut unterwegs wie in Amsterdam, die Grachten sind doch enger und gehen direkt in die saftig grüne Wiese über. Ich lasse mich in den gelben Löwenzahl plumpsen und will hier gar nicht mehr weg.



