February 14, 2010

Melaka reloaded

Filed under: Uncategorized — admin @ 9:33 pm

Noch ein Tag hier. Es war klar, dass wir hier bleiben wuerden spaetestens ab dem Moment, an dem ich erfuhr, dass es drei nochmittogs war und die Julia immer noch im Traeumeland. Die Zeit bis dahin war fuer mich frischgebackene Fruehaufsteherin (und Nachteule, zum Blogeintrag ist es 3h frueh) schnell herumgebogen, sass ich doch im lederbecouchten Foyer mit einem Inder und einem Chinesen namens Hamman zur zivilisatorischen Debatte beisammen. Was wird 2010 passieren? Was hat die Ming-Dynastie mit Malaysia zu tun? Und unter welchen Bedingungen koennen menschliche Gesellschaften bestehen, koexistieren und prosperieren? Was ist die Bedeutung von Tugend, Schoenheit und Wissen? Was ist wichtig im Leben? Zwar klang Hamman hin und wieder wie ein groessenwahnsinniges Glueckskeks (”I am one of the few people who can understand Chinese culture!”), trotzdem war sie interessant, die Dreiecksdiskussion.

Nach Julias Erwachen ging es in die bereits abendlich anmutende Mittagshitze auf Geldsuche, doch das Chinese New Year nimmt man hier zum Anlass alles zu schliessen. Bis auf einen neu eroeffneten Inder, der uns mit Nam (einer indischen Pizza mit mikroskopisch viel Kaese) versorgte und einigermassen aufpeppelte. Einen gemuetlichen Spaziergang spaeter fanden wir uns auch schon am historischen Friedhofshuegel: verrottende Koenigsgraeber liebevoll ins Gruen eingelassen, ein paar Mangobaeume (in 4 Jahreszeiten> ich habe gruene, reife, und bluehende Mangos an ein und demselben Baum gesehen!, man sitzt hier ja keine frustrierenden Winter aus, das ganze Jahr ueber warm wie sonst ein Bacherl) und ambitionierte Jogger, von denen einer verschnaufte um uns zu sich zhaus nach Borneo einzuladen. Dr. Dharma sein Name. Man lernt nie aus. Inder tragen als Nachname immer den des Vaters, weshalb es Sinn macht, den Titel kurzerhand vor den Vornamen zu knallen. Fand ich witzig, musste ich schmunzeln. Ein schoener Sonnenuntergang im Huegelgras. Der Beschluss, hinunter zum Meer zu muessen. Schaffen taten wir es bis zum Pier, wie sich herausstellte Touristenzone pur. Es pickte uns an einer Glasscheibe fest der Anblick eines Aquariums, in welchem Fische zu Massagezwecken gehalten wurden. That’s right> FISH SPA nennt sich der Knueller. Mussten wir rein, mussten wir mitmachen. Fuer 10 RM (Julias Theorie, dass dies die Abkuerzung fuer Reichsmark ist, haben wir in unsere pekuniaren Gespraeche implementiert) samma dabei. Danach dann doch zum Meeresbeisl auf einen Fruchtsaft (= ECHTE Fruechte, die was zerkleinert und pueriert werden!!), Alk wird hier fast nirgendwo ausgeschaenkt, da mussten wir nachher per Weihnachtsbaumrikscha (=blinkendes, manchmal auch technobeschallte Fahrradkutsche) echt suchen. Fuhren wir doch glatt an einem malaysischen Italiener aka “Bistro” vorbei, wo man Risotto auf Kartoffeln bestellen konnte. Musste ich versuchen! War lecker! Ausserdem tschecherte man dort ganz suesses Bier. Besser als gar kein Bier, aber beim Heimspaziergang fanden wir dann doch noch einen Chinesen, bei dem es besser war. Saufen duerfen dort nur Letztere, waehrend Inder zum Beispiel eher abwaschen und servieren. Es ist klar, wer die Geschaeftsleute sind, wer hier nimmt und gibt. Wer buddhistisch denkt, glaubt an Prosperity, und damit an das Vorrecht, Business zu treiben. Schliesslich haben die Chinesen unter Ming den “Malayen eine Kultur verpasst”, glaubt zumindest Hamman der Grosse am Morgen des 1. Day of the Tiger…

beim Inder: so neu, dass die Bestecklade noch nicht ent-preisschildert wurde.

chinesisches Stadtviertel in Melaka

Ueberfahrt nach Melaka und Chinese New Year

Filed under: Uncategorized — admin @ 6:34 am

Der Tag begann mit ebenjenem Pratafruehstueck, das ihr hier in bunt bewundern koennt. Prata heisst so viel wie aussebochanes Omelette mit Allerlei essbarem (in meinem Fall zuckersuesse Ananas), das mit Curry serviert wird. Dazu bestellten wir einen leckeren Eiskaffee, dessen Eis im aufkommenden Sonnenlicht binnen Sekunden dahinschmolz. Auf einem kleinen Markt erstand ich billige Telefone und mein Reisetagebuch, das mich jetzt schon laenger verfolgt als die kindlichen GeldeinsammlerInnen. Laut meinem Instant-Host bekommen die kleinen in der SChule Communityservicepunkte, wenn sie sich in derlei blechdosengesteuerten Drangsalierungsuebungen versuchen. Spaeter gelang es, Julia vom Flughafen abzufangen und auf ging es ins Blaue: Weder wussten wir, ob Yek mit dem Bustransfer von Kranji richtig lag, noch, ob - einmal ueber der Grenze - auch wirklich Busse nach Melaka, unserem naechsten angedachten Reiseziel an der suedlichen Westkeuste, fahren wuerden. Ein erster Schritt nach oben war mal die Metro vom Flughafen, wo wir chinesischem Popgeschalle aus dem Telefon eines Passanten beiwohnen durften. So liebevoll presste er sein Handy ans Ohr, dass es aussah, als wuerde er ernsthaft meinen, er sei allein mit derlei melodischen Klaengen. Ein intimer Moment im anonymen Grossstadtdschungel (es handelte sich uebrigens um einen ausgewachsenen Mitte-40-Mann, der sich da hingab). Die naechste Station sollte die magische 170 sein. Eine Zahl, die uns bis zum abgefuckten Larkin Terminal jenseits der Grenze begleiten sollte. Das ging ca. so von Statten: 170 auf, Menschenmasse rein, 170 ab in den Stau. 170 auf, Menschen zur Grenzkontrolle, 170 zu, auf, Grenzkontrolle, zu, auf…. Larkin Terminal aka. Busumschlagplatz der Rocky-Sorte. Charmant hektisch, versifft. Dampf, Geschrei, Gefuchtel, schwitzende Gesichter, in Truemmern aufgeturmte Huehner, Ventilatoren, Hitze. Und dort hinten der Ticketstand fuer unser ersehntes Ziel! eine halbe Stunde hatten wir dann noch, um uns crepeartiges dampfendes Essen mit verdaechtig dumpf schmeckender Sauce zu goennen, serviert von der minderjaehrigen islamischen Geschaeftsfrau. Der Litscheesaft auf Eis, von dem wir nicht wussten, woher es kam und wohin es gehen wuerde. Ueber uns die Tapeten- und Stuckaturen eines Kolonialfilms. Nur die Kampfhunde fehlten noch. Bei all den Eindruecken uebersahen wir leicht die Zeit, und als Julia zufaellig die Armbanduhr unserer Sim-Kartenverkauferin ins Auge stach, welche die Abfahrtszeit unseres Busses anzeigte, schnappte ich unsere Tickets und gab Fersengeld. Am anderen Ende des Terminals erspaehte ich noch unseren Bus und bekniete den Fahrer auf uns zu warten. Waere dieser nicht gnaedig gewesen, haetten wir unser Ziel abschminken koennen, denn dies war die letzte Moeglichkeit nach Melaka. Erleichterung stellte sich ein, als Julias eilige Schritte im dampfenden Schatten des uebernaechsten Busses zu erkennen waren. Gluecklich fielen wir in die Sitze des hochklimatisierten Gefaehrts (wir mussten uns “andirndeln wie zum Schifahren” O-Ton Julia, zum Glueck hatten wir Wollpullis mit) und schliefen ein… bis wir erbarmungslos aus dem Bus geschmissen wurden. Da standen wir nun. Mitten in der Nacht. Mitten in Suedmalaysia und ohne Ahung ob usnerer Uebernachtungschancen. In meiner Verwirrung stieg ich ohne Verhandlung auf das Taxlerangebot ein, der uns nach Chinatown brachte. Das stimmte ihn vergnuegt und kommunikativ. Bald landeten wir in einem lampiongeschmueckten Gasslwerk, in dem die Pyromanen feierten, was der Tiger hergab. Feuerwerke, Knaller, Raeucherungen auf offener Strasse, brennende luftballons, die in den Himmel geschickt wurden, da dies “prosperity” bringe. Direkt vor Ort fanden wir ein schlichtes Guesthouse nach unseren Vorstellungen (umgerechnet 3 euro\Nacht). Von wegen keine Plaetze mehr. Unser Schlafsaal mit kleinem Balkon ist nur karg besiedelt. Der kleine freundliche Chinesenhandlanger des indischen Geschaeftsfuehrers haendigt uns Schliessfachschluessel aus. Ventilatoren ver-rambo-sieren auch unser Gemach. Auf unserem anschliessenden Trip durch die Strassen sehen wir Tempel, in denen Horden von Chinesen gluecksbringende Gegenstaende verbrennen. Raeucherstaebchen werden erst vor dem Kopf geschwenkt (vermutlich, damit die Daempfe gut einziehen), aber auch symbolisches Geld, das sie im Silvesterstadl im Tempel kaeuflich erworben haben, faellt den allgegenwaertigen Flammen zum Opfer. HAPPY CHINESE NEW YEAR!

Schwenkende Chinesen

Chinesisches Silvesterstandl

Silvesterpfad um 01:00

Zuckerruebensaft-Maschine


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