Noch ein Tag hier. Es war klar, dass wir hier bleiben wuerden spaetestens ab dem Moment, an dem ich erfuhr, dass es drei nochmittogs war und die Julia immer noch im Traeumeland. Die Zeit bis dahin war fuer mich frischgebackene Fruehaufsteherin (und Nachteule, zum Blogeintrag ist es 3h frueh) schnell herumgebogen, sass ich doch im lederbecouchten Foyer mit einem Inder und einem Chinesen namens Hamman zur zivilisatorischen Debatte beisammen. Was wird 2010 passieren? Was hat die Ming-Dynastie mit Malaysia zu tun? Und unter welchen Bedingungen koennen menschliche Gesellschaften bestehen, koexistieren und prosperieren? Was ist die Bedeutung von Tugend, Schoenheit und Wissen? Was ist wichtig im Leben? Zwar klang Hamman hin und wieder wie ein groessenwahnsinniges Glueckskeks (”I am one of the few people who can understand Chinese culture!”), trotzdem war sie interessant, die Dreiecksdiskussion.
Nach Julias Erwachen ging es in die bereits abendlich anmutende Mittagshitze auf Geldsuche, doch das Chinese New Year nimmt man hier zum Anlass alles zu schliessen. Bis auf einen neu eroeffneten Inder, der uns mit Nam (einer indischen Pizza mit mikroskopisch viel Kaese) versorgte und einigermassen aufpeppelte. Einen gemuetlichen Spaziergang spaeter fanden wir uns auch schon am historischen Friedhofshuegel: verrottende Koenigsgraeber liebevoll ins Gruen eingelassen, ein paar Mangobaeume (in 4 Jahreszeiten> ich habe gruene, reife, und bluehende Mangos an ein und demselben Baum gesehen!, man sitzt hier ja keine frustrierenden Winter aus, das ganze Jahr ueber warm wie sonst ein Bacherl) und ambitionierte Jogger, von denen einer verschnaufte um uns zu sich zhaus nach Borneo einzuladen. Dr. Dharma sein Name. Man lernt nie aus. Inder tragen als Nachname immer den des Vaters, weshalb es Sinn macht, den Titel kurzerhand vor den Vornamen zu knallen. Fand ich witzig, musste ich schmunzeln. Ein schoener Sonnenuntergang im Huegelgras. Der Beschluss, hinunter zum Meer zu muessen. Schaffen taten wir es bis zum Pier, wie sich herausstellte Touristenzone pur. Es pickte uns an einer Glasscheibe fest der Anblick eines Aquariums, in welchem Fische zu Massagezwecken gehalten wurden. That’s right> FISH SPA nennt sich der Knueller. Mussten wir rein, mussten wir mitmachen. Fuer 10 RM (Julias Theorie, dass dies die Abkuerzung fuer Reichsmark ist, haben wir in unsere pekuniaren Gespraeche implementiert) samma dabei. Danach dann doch zum Meeresbeisl auf einen Fruchtsaft (= ECHTE Fruechte, die was zerkleinert und pueriert werden!!), Alk wird hier fast nirgendwo ausgeschaenkt, da mussten wir nachher per Weihnachtsbaumrikscha (=blinkendes, manchmal auch technobeschallte Fahrradkutsche) echt suchen. Fuhren wir doch glatt an einem malaysischen Italiener aka “Bistro” vorbei, wo man Risotto auf Kartoffeln bestellen konnte. Musste ich versuchen! War lecker! Ausserdem tschecherte man dort ganz suesses Bier. Besser als gar kein Bier, aber beim Heimspaziergang fanden wir dann doch noch einen Chinesen, bei dem es besser war. Saufen duerfen dort nur Letztere, waehrend Inder zum Beispiel eher abwaschen und servieren. Es ist klar, wer die Geschaeftsleute sind, wer hier nimmt und gibt. Wer buddhistisch denkt, glaubt an Prosperity, und damit an das Vorrecht, Business zu treiben. Schliesslich haben die Chinesen unter Ming den “Malayen eine Kultur verpasst”, glaubt zumindest Hamman der Grosse am Morgen des 1. Day of the Tiger…
beim Inder: so neu, dass die Bestecklade noch nicht ent-preisschildert wurde.
chinesisches Stadtviertel in Melaka






