Der Tag begann mit ebenjenem Pratafruehstueck, das ihr hier in bunt bewundern koennt. Prata heisst so viel wie aussebochanes Omelette mit Allerlei essbarem (in meinem Fall zuckersuesse Ananas), das mit Curry serviert wird. Dazu bestellten wir einen leckeren Eiskaffee, dessen Eis im aufkommenden Sonnenlicht binnen Sekunden dahinschmolz. Auf einem kleinen Markt erstand ich billige Telefone und mein Reisetagebuch, das mich jetzt schon laenger verfolgt als die kindlichen GeldeinsammlerInnen. Laut meinem Instant-Host bekommen die kleinen in der SChule Communityservicepunkte, wenn sie sich in derlei blechdosengesteuerten Drangsalierungsuebungen versuchen. Spaeter gelang es, Julia vom Flughafen abzufangen und auf ging es ins Blaue: Weder wussten wir, ob Yek mit dem Bustransfer von Kranji richtig lag, noch, ob - einmal ueber der Grenze - auch wirklich Busse nach Melaka, unserem naechsten angedachten Reiseziel an der suedlichen Westkeuste, fahren wuerden. Ein erster Schritt nach oben war mal die Metro vom Flughafen, wo wir chinesischem Popgeschalle aus dem Telefon eines Passanten beiwohnen durften. So liebevoll presste er sein Handy ans Ohr, dass es aussah, als wuerde er ernsthaft meinen, er sei allein mit derlei melodischen Klaengen. Ein intimer Moment im anonymen Grossstadtdschungel (es handelte sich uebrigens um einen ausgewachsenen Mitte-40-Mann, der sich da hingab). Die naechste Station sollte die magische 170 sein. Eine Zahl, die uns bis zum abgefuckten Larkin Terminal jenseits der Grenze begleiten sollte. Das ging ca. so von Statten: 170 auf, Menschenmasse rein, 170 ab in den Stau. 170 auf, Menschen zur Grenzkontrolle, 170 zu, auf, Grenzkontrolle, zu, auf…. Larkin Terminal aka. Busumschlagplatz der Rocky-Sorte. Charmant hektisch, versifft. Dampf, Geschrei, Gefuchtel, schwitzende Gesichter, in Truemmern aufgeturmte Huehner, Ventilatoren, Hitze. Und dort hinten der Ticketstand fuer unser ersehntes Ziel! eine halbe Stunde hatten wir dann noch, um uns crepeartiges dampfendes Essen mit verdaechtig dumpf schmeckender Sauce zu goennen, serviert von der minderjaehrigen islamischen Geschaeftsfrau. Der Litscheesaft auf Eis, von dem wir nicht wussten, woher es kam und wohin es gehen wuerde. Ueber uns die Tapeten- und Stuckaturen eines Kolonialfilms. Nur die Kampfhunde fehlten noch. Bei all den Eindruecken uebersahen wir leicht die Zeit, und als Julia zufaellig die Armbanduhr unserer Sim-Kartenverkauferin ins Auge stach, welche die Abfahrtszeit unseres Busses anzeigte, schnappte ich unsere Tickets und gab Fersengeld. Am anderen Ende des Terminals erspaehte ich noch unseren Bus und bekniete den Fahrer auf uns zu warten. Waere dieser nicht gnaedig gewesen, haetten wir unser Ziel abschminken koennen, denn dies war die letzte Moeglichkeit nach Melaka. Erleichterung stellte sich ein, als Julias eilige Schritte im dampfenden Schatten des uebernaechsten Busses zu erkennen waren. Gluecklich fielen wir in die Sitze des hochklimatisierten Gefaehrts (wir mussten uns “andirndeln wie zum Schifahren” O-Ton Julia, zum Glueck hatten wir Wollpullis mit) und schliefen ein… bis wir erbarmungslos aus dem Bus geschmissen wurden. Da standen wir nun. Mitten in der Nacht. Mitten in Suedmalaysia und ohne Ahung ob usnerer Uebernachtungschancen. In meiner Verwirrung stieg ich ohne Verhandlung auf das Taxlerangebot ein, der uns nach Chinatown brachte. Das stimmte ihn vergnuegt und kommunikativ. Bald landeten wir in einem lampiongeschmueckten Gasslwerk, in dem die Pyromanen feierten, was der Tiger hergab. Feuerwerke, Knaller, Raeucherungen auf offener Strasse, brennende luftballons, die in den Himmel geschickt wurden, da dies “prosperity” bringe. Direkt vor Ort fanden wir ein schlichtes Guesthouse nach unseren Vorstellungen (umgerechnet 3 euro\Nacht). Von wegen keine Plaetze mehr. Unser Schlafsaal mit kleinem Balkon ist nur karg besiedelt. Der kleine freundliche Chinesenhandlanger des indischen Geschaeftsfuehrers haendigt uns Schliessfachschluessel aus. Ventilatoren ver-rambo-sieren auch unser Gemach. Auf unserem anschliessenden Trip durch die Strassen sehen wir Tempel, in denen Horden von Chinesen gluecksbringende Gegenstaende verbrennen. Raeucherstaebchen werden erst vor dem Kopf geschwenkt (vermutlich, damit die Daempfe gut einziehen), aber auch symbolisches Geld, das sie im Silvesterstadl im Tempel kaeuflich erworben haben, faellt den allgegenwaertigen Flammen zum Opfer. HAPPY CHINESE NEW YEAR!
Schwenkende Chinesen
Chinesisches Silvesterstandl
Silvesterpfad um 01:00
Zuckerruebensaft-Maschine





Sabine! I’m glad you made it to Malacca. Was worried that you and Julie wouldn’t be able to find transportation.
You take very good pictures! I’ll be looking forward to reading about more of your adventures.
I’m using Google Translate to understand what you’re writing, but it’s not doing a very good job of translating.
was ist ‘Popgeschalle’?
Comment by Zek — February 14, 2010 @ 12:01 pm
kommt mir verdammt bekannt vor…
Comment by Bastl — February 14, 2010 @ 2:35 pm
Hi Süße,
klingt nach Südostasien!
Haben gestern auch Chinesisches Neujahr gefeiert, zwar ohne Raketen und Krachern, aber war trtz allem lustig.
Ein Lächeln und ein Kuss… cu
Comment by Johannes — February 14, 2010 @ 2:46 pm
@zek: haha, it’s hardly impossible to translate the austrian colloquial terms that i use into meaningful english sentences
nice that you try though. we’re having a wonderful stay here and even found places where to get BEER! didn’t think that this would be sooo hard…
@johannes: und, haben dir auch besoffene random-chineser auf der strasse “happinuyiiiiiiir” zugerufen? hier machen’s das naemlich schon. auch wenn sie sich schuechtern wieder wegdrehen und sich wieder herdrehen. wenn sie merken, dass wir weissen sie nicht schlachten sondern anlaecheln, laecheln sie breit zurueck und nicken enthusiasmiert.
Comment by admin — February 14, 2010 @ 8:56 pm
Süß, is mir in Heidenreichstein natürlich nicht passiert (= Lee, der Chinese musste anscheind selbst zu Neujahr arbeiten).
Comment by Johannes — February 14, 2010 @ 11:51 pm