June 15, 2010

Schreiben im Juni

Filed under: Uncategorized — admin @ 2:46 pm

Treue Leserinnen werden wissen: dies ist ein Quartalblog. Jedes Quartal ein neuer Antrieb, um sich in die Pseudoöffentlichkeit zu stellen. Und dann macht es aber auch richtig Spaß und ist nicht nur so “just cause”. Aber welches Motiv ist es diesmal? Nun, Texte ohne funktionelle Reportagegedanken. Texte aus dem Bauch heraus. “Literatur” klingt einfach zu streng dafür. Gefühlsrhetorik. Nennen wir es so. Die Anfänge größerer Werke, die wahrscheinlich nie geschrieben werden.

NITO

Nitos Augen brennen.

“Wo geht es hin?”

Der glosende Sonnenball rast unaufhörlich auf ihn zu und versengt seine Netzhäute. Es ist schriller Juli-Samstag und Nito fällt aus seinem fließenden Aquarelltraum hinein in die beißende Trockenheit des Dürreplaneten.

Die Feuersonne hängt steil über seinem Nacken, sieht jedes seiner Haare einzeln brechen aus der papierenen Kopfhaut. Es pumpt und kriecht in ihm das blanke Dasein, ertappt ihn, herrscht ihn an, besitzt ihn jetzt voll und ganz, ihn, der in der Düne aufläuft und die Welt süßer Verschmelzung eintauscht gegen kalt-heißen Tatsachenboden.

Mark und Bein prallt Nito in den Wüstensand, zwingt ihn zu zuckender Wesenhaftigkeit. Rastlos tastet die raue Hand sich schwelend über schroffe Daseinsmauern. Pelzige Salzigkeit füllt da seinen Mund mit Sehnsucht. In seine Nasenflügel atmet sich blaues Verlangen nach Vollkommnis und tiefer Nacht.

“Wo geht es hin?” hört er kreisendes Fragen. Die Farben der blanken Vergänglichkeit legen sich an sein Ohr. Deutlich sieht er das Meer hinter sich verschwinden und weint ein neues. Im Sengen der Feuersonne fühlt er hilflos trocknen was sein Eigen scheint. Aufgeben will er angesichts der unbezwingbaren Trockenheit, und japsend windet sich alles ins gleissende Licht.

“Schön, dass du gekommen bist”, sagt die Stimme. “Willkommen auf der Welt”

Nito fühlt jetzt, wie die riesige Hand über seinen Kopf fährt, die Hand, die er liebt wie sich selbst.

“Bleib”, sagt die Stimme und sickert wohlig durch Nitos Schale, sickert durch das Fruchtfleisch bis zum Kern.


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